Altern: Das größte Menschheitsproblem

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Altern ist das größte Problem der Menschheit, da es verglichen mit allen anderen Todesursachen zusammengenommen die meisten Opfer fordert und das meiste Leid verursacht. Das beinhaltet Ursachen wie Hungersnot, Gewalt, Infektionskrankheiten, Umweltzerstörung, Unfälle – denken Sie sich beliebige Todesursachen hinzu. Das Altern verursacht auch bei Ihnen und den meisten der Menschen, die Sie kennen, sehr viel wahrscheinlicher Leid und Tod als irgendein anderes Problem. Bedenken gegen die Auswirkungen eines Sieges über das Altern sind legitim, überwiegen aber nicht den Wert, so viele Leben zu retten und so viel Leid zu lindern.

Tod und Leid

Die Anzahl an Menschen, die durch das Altern getötet werden, ist gewaltig und viel größer als die Opferzahl aller anderen Todesursachen zusammengenommen. Von den 150'000 Menschen, die jeden Tag weltweit sterben, tötet das Altern 100'000 Menschen. Mit anderen Worten, zwei Drittel aller Todesfälle werden jeden Tag durch das Altern verursacht. Vielleicht ist es einfacher, diese gigantischen Zahlen zu verstehen, wenn man sich folgendes Bild vor Augen führt: Altern verursacht tagtäglich gleich viele Tote wie ungefähr dreißig World Trade Center oder sechzig Katrina-Wirbelstürme. In den Industrieländern ist das Altern für 90 Prozent aller Todesfälle verantwortlich. In einem einzigen Jahr werden 36 Millionen Menschenleben durch das Altern ausgelöscht, verglichen mit 18 Millionen Leben, die durch alle anderen Ursachen zusammen verloren gehen.

Neben der riesigen durch das Altern verursachten Zahl von Toten verursacht das Altern auch das meiste menschliche Elend und Verderben, und zwar sowohl auf persönlicher wie auch gesellschaftlicher Ebene, verglichen mit allen anderen Ursachen zusammengenommen. Die meisten Menschen sterben nicht augenblicklich am Altern; wenige sterben friedlich im Schlaf, ohne jahrelang an chronischen, altersbedingten Krankheiten gelitten zu haben. Es wird für Menschen umso wahrscheinlicher, vom Alterungsprozess verursachte Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Herzkrankheiten, Alzheimer und Parkinson zu entwickeln, je älter sie werden. Ältere Menschen leiden oft an vielen Alterskrankheiten gleichzeitig. Diese Krankheiten vergrößern kontinuierlich Behinderungen und Gebrechlichkeit, schon Jahre bevor sie schließlich ihr Opfer töten. Familien müssen sich hilflos den körperlichen und mentalen Verfall eines betroffenen Familienmitglieds mitansehen. Andere Familienmitglieder sind häufig dazu gezwungen, es zu pflegen; sowohl deren als auch die Unabhängigkeit ihres behinderten Familienmitglieds geht verloren. In den Industrieländern kostet das Altern der Gesellschaft buchstäblich Billionen von Euro pro Jahr für die medizinische Versorgung, die im letzten Lebensjahr eines Opfers bereitgestellt wird. Diese Kosten sind mehr, als eine Person in ihrer gesamten Lebensspanne bis zu diesem Zeitpunkt verursacht.

Die Pro-Aging-Trance

Trotz all der gewaltigen Probleme, die das Altern verursacht, scheint wenig Interesse daran zu bestehen, etwas dagegen zu unternehmen. Es gibt keine Bewegung, um das Altern zu besiegen, die vergleichbar wäre mit anderen großen Problemen wie etwa der globalen Erderwärmung, AIDS oder – ironischerweise – altersbedingten Krankheiten. Genau genommen gibt es fast keine „Bewegung” jeglicher Art gegen das Altern. Warum ist das so?

Der Grund, weshalb wenige Menschen an der Bezwingung des Alterns interessiert sind, ist einfach, dass es bis vor kurzem nicht möglich war, viel gegen das Altern zu unternehmen. Diese Einstellung wird bezeichnet als die „Pro-Aging-Trance”. Da das Altern als harte, aber unvermeidbare Realität angesehen wird, versuchen viele Menschen – die es für gewöhnlich für eine gute Idee halten, jedwede altersbedingte Krankheit zu heilen –, den Schrecken des Alterns zu verdrängen, indem sie sich Gründe ausdenken, die die Abschaffung des Alterns als Todesursache nicht nur unmöglich, sondern auch nicht wünschenswert erscheinen lassen.

Bedenken gegen die Überwindung des Alterns

Bedenken gegen die Auswirkungen eines Sieges über das Altern sind legitim, überwiegen aber nicht den Wert, so viele Leben zu retten und so viel Leid zu lindern – besonders angesichts der Tatsache, dass es absehbare Lösungen für jedes dieser Bedenken gibt. Selbst wenn Sie einige der (unten aufgelisteten) Vorschläge nicht überzeugend finden, sind diese Bedenken wahrscheinlich nicht so schwerwiegend im Verhältnis zur Alternative – Jahre des Leidens und schließlich der Tod für Sie, Ihre Familie und Ihre Freunde – was garantiert ist, falls das Altern nicht besiegt wird. Eine andere Überlegung, die sich darüber anstellen lässt, ist die: Sind Sie dazu bereit, sich und jeden, den Sie kennen, und dazu noch weitere 100'000 Menschen, die jeden Tag am Altern sterben, für Bedenken zu opfern, die im besten Falle theoretisch sind und für die es Lösungen gibt, die mindestens so realistisch sind wie die Bedenken selbst? Wenn es Ihnen nichts ausmacht, am Altern zu leiden und zu sterben, sollte wenigstens anderen Menschen die Chance gegeben werden, für sich selbst zu entscheiden, anstatt dass ihnen diese Wahl allmählich durch den Alterungsprozess genommen wird. Neben den folgenden kurzen Lösungsvorschlägen sind ausführlichere Erklärungen bezüglich dieser Bedenken bei der „Warum wir alles menschenmögliche tun sollten, um das Altern schneller zu besiegen”-Seite der SENS-Stiftung verfügbar.

Gesellschaftliche Bedenken

Das Problem der Überbevölkerung wird sich verschlimmern
Die Überwindung des Alterns wird in naher Zukunft kein erhebliches Bevölkerungswachstum auslösen. Um Überbevölkerung über einen längeren Zeitraum – hunderte oder tausende von Jahren – hinweg zu vermeiden, wird jedes Paar sich schließlich entscheiden müssen, ob es eine sehr lange Zeit lang leben und dafür mit einer festgelegten, sehr begrenzten Anzahl an Kindern auskommen will oder ob es mehr Kinder bekommen und dafür am Altern sterben will, so wie es heutzutage der Fall ist.

Nur die Reichen werden profitieren.
Wie es bei vielen neuen Technologien der Fall ist, dürften die Reichen zuerst profitieren, aber der Rest der Gesellschaft wird danach ebenfalls in den Genuss der neuen Therapien kommen.

Die kulturelle Entwicklung wird stagnieren; es wird erheblich weniger Innovationen geben, weil viele Menschen sehr alt werden.
Da ältere Menschen genauso gesund wären wie jüngere und auch aus einem reicheren Erfahrungsschatz schöpfen könnten, wären ältere Menschen wahrscheinlich kreativer und innovativer als jüngere.

Wenn alte Menschen nicht sterben, werden sie das Gesundheits- und/oder Rentensystem ruinieren.
Da ältere Menschen genauso gesund wären wie jüngere, bedürfte es keines Rentensystems mehr, und die Kosten im Gesundheitswesen wären für die Alten die gleichen wie für die Jungen.

Diktatoren werden ewig leben.
Es gibt andere Methoden, einen Regimewechsel herbeizuführen, wie Attentat, Staatsstreich, Einmarsch und Verbreitung von Demokratie. Ohnehin endet fast keine Diktatur auf Grund des natürlichen Todes des Diktators; es gibt fast immer einen neuen Diktator, der die Macht übernimmt.

Bedenken hinsichtlich der Priorität

Es gibt dringendere Probleme auf der Welt, wie Umweltzerstörung und hungernde Menschen.
Während es auf der Welt viele Probleme gibt, sind diese nicht so schwerwiegend wie das Altern, welches das meiste Leid und die meisten Todesopfer verglichen mit allen anderen Ursachen zusammengenommen verursacht. Außerdem bedeuten Bestrebungen, das Altern zu besiegen, nicht, dass an anderen Problemen nicht auch gearbeitet werden sollte.

Wir sollten zuerst bessere Menschen werden.
Wenn mangels Alterns so viel Lebenszeit auf dem Spiel steht, werden Menschen wahrscheinlich Risiken sehr viel mehr als heutzutage reduzieren wollen, die sie längerfristig bedrohen, wie beispielsweise Umweltzerstörung und Gewalt.

Medizinische Bedenken

Wenn Menschen wesentlich länger lebten, würden sie nur an mehr Gebrechlichkeit, Altersschwäche und Demenz leiden.
Da ältere Menschen genauso gesund wären wie jüngere, wären ältere Menschen nicht gebrechlich, altersschwach und dement, egal wie lange sie leben.

Wir sollten uns auf die Lebensqualität konzentrieren, nicht auf die Lebenslänge.
Da die Besiegung des Alterns ältere Menschen genauso gesund machen würde wie jüngere, wären längere Lebensspannen eine willkommene Nebenwirkung.

Selbst mit einem jugendlichen Körper wird immer noch das Gehirn altern.
Die Überwindung des Alterns wird sowohl das Gehirn als auch den restlichen Körper verjüngen.

Persönliche Bedenken

Wir könnten es uns nicht leisten, in Ruhestand zu gehen; wir würden die ganze Zeit arbeiten müssen.
Einige Menschen dürften sich dazu entschließen, ihr ganzes Leben lang zu arbeiten, aber andere würden entweder dauerhaft oder halb-dauerhaft in Rente gehen und von Ersparnissen und Investitionen leben.

Mit so viel Zeit hätten wir keine Motivation, über uns hinauszuwachsen.
Da Menschen viel mehr Zeit haben werden, über sich hinauszuwachsen, ist es wahrscheinlicher, dass sie dies mehr tun werden als jetzt.

Wenn so viel Lebenszeit auf dem Spiel stünde, würden wir alles vermeiden, was Spaß macht, aber riskant ist.
Anstatt Aktivitäten zu vermeiden, die Spaß machen, aber riskant sind, würden wir ihr Risiko erheblich verringern, genauso wie wir das Risiko reduzieren, am Altern zu sterben.

Unbegrenzt zu leben wäre langweilig.
Da sogar sich stets wiederholende Aktivitäten wie essen niemals langweilig werden, kann Langeweile kein dauerhaftes Problem werden. Der normale Prozess des Vergessens dürfte Menschen auch zu Aktivitäten motivieren, die sie schon einmal durchgeführt hatten, auch wenn diese Aktivitäten sich seltener wiederholten.

Wir würden so viel über unsere Vergangenheit vergessen, dass wir nicht mehr dieselbe Person wären.
Da Menschen das meiste vergessen, was sie erleben, gibt es keinen Grund zu glauben, dass dies mit längeren Lebensspannem ein viel größeres Problem wäre.

Ich bin zu alt, um eine Chance zu haben, davon zu profitieren.
Selbst wenn Sie zu alt sind, würde sich die Überwindung des Alterns positiv auf die jüngeren Mitglieder Ihrer Familie auswirken – ganz zu schweigen von den 100'000 Menschenleben, die gerettet werden könnten, wenn Sie helfen, den Sieg über das Altern auch nur einen Tag näherzubringen.

Philosophische Bedenken

Das Leben ist schon lange genug.
Da ältere Menschen genauso gesund wären wie jüngere, gibt es keinen Grund zu glauben, dass sie nicht gerne länger leben würden, als es ihnen jetzt möglich ist. Wenn sie sich aus welchem Grund auch immer dazu entschließen sollten, nicht länger zu leben, hätten sie diese Wahl, doch sie sollten auch die Wahl haben, am Leben zu bleiben.

Wir würden „Gott spielen” und es wäre unnatürlich, das Altern zu besiegen.
Da fast jeder, der diese Sorge äußert, ständig Gott spielt, indem er „unnatürliche” Technologie erfindet und nutzt, um natürliche Krankheiten und Katastrophen zu bekämpfen, wäre es willkürlich, den Sieg über das Altern als ein Sonderfall herauszugreifen.

Das Leben würde bedeutungslos und unmenschlich ohne die Lebensphasen, die ein Mensch aufgrund des Alterns durchläuft.
Diese Beurteilung beruht auf persönlichen Werten und wäre kein Problem, da die Therapien, die das Altern besiegen würden, genauso freiwillig angewendet würden wie jede medizinische Technologie, die das Leben heutzutage verlängert.

Wir würden zukünftigen Generationen das Recht verweigern, geboren zu werden.
Hypothetische Menschen haben keine Rechte und sollten gewiss nicht das Recht realer Menschen einschränken, zu leben und Leid zu vermeiden. Da jeder, der nicht permanent schwanger ist, hypothetischen Menschen jeden Tag das sogenannte Recht zu existieren verweigert, und sich niemand darum Gedanken macht, gibt es keinen Grund, eine Doppelmoral anzuwenden, wenn es um die Folgen der Besiegung des Alterns geht.

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